Dem Abfall auf der Spur


Moin! ich bin Anna, 20 Jahre alt, gerade mit der Schule fertig gewesen und noch keine Ahnung, was ich nun machen solle. Ein FÖJ. Wie ich darauf kam? Ich habe gegoogelt, wie ich ein Jahr überbrücken könnte, ohne faul zuhause zu sitzen oder nervige Minijobs zu suchen. Weit weg wollte ich auch nicht, also suchte ich in meinem Umkreis. Gleich der erste Treffer war der Martin-Meiners-Förderverein. Mein Leben lang in Bad Segeberg gelebt und nie davon gehört? Einfach mal eine Bewerbung schreiben und abwarten. Die arbeiten mit Müll… auf dem Recyclinghof… mhh… könnte stinkig werden.

Anna (rechts) und Azubine Lena (links)

Ja, ich arbeite mit Müll. Das ist zumindest immer das, was ich Leuten erzähle, wenn ich gefragt werde, was ich in meiner Einsatzstelle so triebe. Natürlich wühle ich nicht den ganzen Tag lang in den Tonnen herum. Aber manchmal findet man mich tatsächlich auf dem Recyclinghof herumlaufend, einen Einkaufswagen vor mir schiebend, in den verschiedenen Abfallfraktionen nach schönen Schätzen suchend. Ich nehme mir den Müll nicht mit nach Hause, keine Sorge.

Wir haben manchmal Gäste hier, meistens Kitas und Grundschulen, mit denen ich eine Umweltberatung zum Thema Abfall durchspreche. Das große Highlight ist dann immer der Gang auf den Recyclinghof mit unserem vollen Einkaufswagen. Die Kinder dürfen dann nacheinander den von ihnen perfekt getrennten Müll, eigenhändig entsorgen. Klingt anfangs bisschen komisch. Warum sammle ich es raus, gebe den Kindern den Wagen und sag: „Sortiert mal“? Es hilft besonders kleineren, das zuvor von mir erzählte in die Tat umzusetzen.

Verpflegung für eine Müllsammelaktion 🙂

Wenn wir bei uns im Seminarraum gefrühstückt haben, schauen wir immer, welcher Müll beim Frühstück anfiel und sprechen direkt durch, wohin die verschiedenen Teile gehören könnten und warum. Den Kindern gefällt es oft ganz gut. Wenn ich auf dem Hof beim Sammeln Porzellan finde, dürfen sie dieses bei unserer Tour gerne auch mit ordentlich Schwung auf dem Bauschutthaufen zertrümmern. Wo dürfte man sowas sonst?

Aber ich habe nicht immer laute Kinder und Müll um mich herum. Die meiste Zeit bin ich an meinem Schreibtisch, recherchiere, schreibe Infos zusammen oder erstelle Flyer, etc. Es gibt vieles mehr zum Thema Abfall, als man denkt. Auch bin ich bei einer Biomüllkontrolle mitgefahren. Dies waren stichprobenartige Kontrollen der Tonnen im Kreis Segeberg, um zu schauen, wie die Quote der Trennung des Biomülls aussieht. Nur so als Teaser: „Bioplastik“ finden wir in der braunen Tonne ganz doof. Auch war ich beispielsweise auf einem Nachhaltigkeitsmarkt und habe mit Laura (meiner Koordinatorin) Verpackungsalternativen wie Bienenwachstücher verteilt. Ich bin sehr gerne auch mal außerhalb unterwegs. Doch insgesamt bin ich gerne gemütlich eine Stubenhockerin.

Für Social Media habe ich auch schon etwas geschnitten. Zusammenschnitte von den Azubis, während ihrer Arbeit oder einfach ein paar nette Fotos schießen. Das gehört zur Öffentlichkeitsarbeit halt dazu und mir bringt das auch viel Spaß. Am meisten gefällt mir bisher einfach der Blick auf den Recyclinghof. Was ist da so los? Wer ist heute da? Was findet man heute so für Schätze im Müll?

Kennt ihr Otto schon? Otto ist eine Oktopus-Skulptur aus (sauberem) Müll. Er sieht eigentlich ganz cool aus. Ich habe ihn am Anfang meines FÖJs gebastelt. Kommt auf Veranstaltungen gut an, ist halt ein Blickfang. Ein Foto gibt es auf unserem Instagram (wzv_profisinorange), falls ihr ihn mal sehen möchtet. 😉

 

Was denke ich nun über die Arbeit mit Müll? Ich habe furchtbar viel Spaß damit. Es ist abwechslungsreich, lässt viel Spielraum für Kreativität und ich lerne viel für mein eigenes Leben. Abfall betrifft uns nun mal alle, egal wie sehr wir es probieren zu meiden. Ich kann hier meinen Freiraum nutzen und habe sogar berufliches Interesse in dieser Branche gefunden. Wer hätte mal gedacht, dass ich auch weiterhin gerne mit Müll arbeiten möchte?

Von Anna


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